Buchtipps

Alexander Schimmelbusch Blut im Wasser

Empfohlen von Oliver Fründt

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Vergriffen, evtl. antiquarisch erhältlich

Dies ist ein fürchterliches Buch – und lohnt sich genau deshalb zu lesen!

Pia und Alex sind durch und durch desillusioniert und, obwohl erst ende dreißig, irgendwie und buchstäblich am Ende.
Die beiden Hauptfiguren und Ich-Erzähler sind die superreichen Erben supperreicher Eltern und in Frankfurt und Kronberg ebenso wie in aller Welt aufgewachsen.
Nachdem sie geerbt haben, hat es sie an die amerikanische Ostküste verschlagen. Sie wohnen in New York und in Washington, beide haben sich Landhäuser errichtet.
Sie müssen nicht arbeiten, sie tun es trotzdem (als Investmentbanker und Architektin), auch wenn das hier nur andeutungsweise ein Thema ist.
Und sie trinken nachwievor, wie schon immer, edle und teure Weine wie Wasser weg.

In abwechselnden Kapiteln schildern sie ihre Gegenwart und ihre Vergangenheit.
Sie kennen sich aus ihrer Kindheit in einer High Society Welt, in der sie jede Menge Stil, aber keinen Sinn in ihrem Dasein gelernt haben.
Sie waren einander die große Liebe und haben sich doch aus den Augen verloren.

Alex ist nun von allem gelangweilt und schlägt sich stilvollendet und ziellos durch seine einsamen Tage, die von Empfängen, Parties und nichts besonderem angefüllt sind.
Pia ist todkrank; sie wird bald sterben und kommt auf die Idee, Alex aufzusuchen.
Ihre vergangene Liebe zu ihm scheint fast so etwas wie die Achse in ihrem Leben zu sein.
Während er sie so gut wie vergessen hat, wie es aussieht, und man wird das Gefühl nicht los, daß genau darin seine unausgesprochene Trauer liegt.

Alexander Schimmelbusch hat mit „Blut im Wasser“ einen schaurig faszinierenden Roman über eine Generation geschrieben, die sich in geerbtem Wohlstand verliert und diesen wie sich selber mit unterkühltem Zynismus verschleudert.

Seine Sprache ist präzise und manchmal eigenwillig.
So kommt es mir albern vor, dass er Pia ständig von „Buben“ sprechen läßt, wenn sie junge Männer meint. Andererseits fand ich die Bezeichnung „Geierfonds“ für bestimmte Geschäftsmodelle wieder großartig.

Ich glaube, Schimmelbusch trifft mit seinem zweiten Roman die Seelenlage der Thirtysomethings und Anfangvierzigs verstörend genau.

Und der Blumenbar Verlag hat wieder einmal ein richtig gutes Buch vorgelegt!


Alexander Schimmelbusch: Blut im Wasser
Blumenbar, Euro 16,90


Alexander Schimmelbusch / Blut im Wasser

Blumenbar

16.90 €

Vergriffen