Buchtipps

Ulrike Kolb Yoram

Empfohlen von Oliver Fründt

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„Yoram“, der neue Roman der Frankfurter Schriftstellerin Ulrike Kolb, ist eine Liebesgeschichte und ein Familienroman mit einer denkbar schwierigen Konstellation: sie ist Deutsche, er Israeli.

Vergriffen, evtl. antiquarisch erhältlich

Die Ich-Erzählerin Carla reist anfang der 70-er Jahre nach Israel, um über das Leben und die Pädagogik im Kibbuz zu recherchieren. Und verliebt sich in den Architekten Yoram.
Der ist als Kind deutsch-jüdischer Eltern teils in Israel, teils in Frankfurt aufgewachsen. Vieles verbindet die beiden, vieles aus der Vergangenheit macht es ihnen natürlich auch schwer. Vor allem den Umgang ihrer Umwelt mit ihrer Beziehung.

Aber auch den je eigenen Umgang mit der Vergangenheit, mit dem Holocaust und den unterschiedlichen Verstrickungen darin. Und auch das Wissen oder Nichtwissen, das Verdrängen und Wissenwollen. Da stellt sich die Frage nach der Wahrheit. Wie sie ist, sein könnte, und wie man sie sich vielleicht zurechtgebogen hat.

Yoram macht als Architekt Karriere, die Tochter Vered wächst auf und erfährt von ihrer Großmutter, Yorams Mutter, mehr über deren Vergangenheit als Yoram und Carla und kann aus der Distanz auch anders damit umgehen.
Sie wendet sich der Zukunft zu, indem sie ein Kind in die Welt setzt, das, letzte Szene des Buches, einen von Großmutter Alizas vergangenheitsbesessenen Notizzetteln zermümmelt.

Ulrike Kolb erzählt in einer wunderbar leichten, präzisen und schönen Sprache diese Liebes- und Familiengeschichte. Wie sich immer wieder Mißverständnisse und Probleme einschleichen. Das ganze Auf und Ab. Und wie die Liebe als die Grundlage des Ganzen doch erhalten bleibt. Oder jedenfalls immer wieder hervorschimmert.

Dazu mein Lieblingszitat aus diesem Buch: „Ich hatte so eine Idee von Liebe, aber wusste nicht, woran man sie erkennt. Erst mit Yoram war es anders. Vielleicht sind meine Gefühle für ihn am besten damit beschrieben, dass ich in dem Moment, wo wir uns füreinander entschieden hatten, aufgehört habe, nach einer Definition für mich zu suchen. Yoram ist für mich ein Zustand geworden, mein Lebenszustand, mein Leben.“

„Yoram“ von Ulrike Kolb ist ein wunderbarer, großartiger Roman, den ich Ihnen unbedingt empfehle! Paßt irgendwie als Lektüre für den September – geht aber auch in jedem anderen Monat!

Ulrike Kolb / Yoram

Wallstein Verlag

19.90 €

Vergriffen