Buchtipps

Chloe Aridjis Buch der Wolken

Empfohlen von Oliver Fründt

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Ein ganz starkes Stück Literatur!


Tatiana aus Mexiko City war vor Jahren schon mal in Berlin. Damals hat eine alte Frau in der U-Bahn sie so sehr an Adolf Hitler erinnert, daß es sie noch lange danach beschäftigt.
Jetzt studiert sie hier, jobbt, beobachtet und läßt sich treiben. Ihre Phase wilder Parties hat sie hinter sich. Durch Bekannte bekommt sie einen gut bezahlten Job bei einem betagten Historiker. Sie transkribiert die Aufzeichnungen, die er in ein Diktafon spricht. Und sie führt Interviews für ihn.

Dabei lernt sie den Metereologen Jonas kennen, der ihr faszinierende Dinge über Wolken erzählt, aber auch ganz profan mit ihr ausgehen möchte. Sie läßt sich zögernd darauf ein.
Ein anderes Interview mit einer schrillen Bettlerin, die sie schon lange vom Sehen kennt, scheitert grandios. Und manche Räume und Zimmer, Orte und Ecken beunruhigen sie seltsam.

Hauptsächlich geht es um Orte, (Stadt-)Landschaften, Räume und darum, wie sich Vergangenheit darin angesammelt und festgesetzt hat. Tatiana ist eine fast hypersensible Beobachterin mit einem fast kindlichen Staunen über diese Räume, über Menschen, Dinge und Sprache.

Was mich vor allem an diesem „Buch der Wolken“ begeistert hat, ist ihre Beobachtungsgabe, die genaue, im Grunde einfache, dabei aber sehr einfühlsame und schöne Sprache (ausgezeichnet übersetzt!) und dieses Nachspüren der Punkte, an denen Vergangenheit, Gegenwart und vielleicht auch Zukunft sich kreuzen.
Wie es einmal heißt: „Alles hier verändert sich fortwährend, aber man darf nicht vergessen, dass alles Teil eines langen, zusammenhängenden Ganzen ist.“

Chloe Aridjis / Buch der Wolken

aus dem Englischen von Klaus Bonn
Edition Nautilus

19.90 €