Buchtipps

Liliana Corobca Der erste Horizont meines Lebens

Empfohlen von Lisa Stöhr

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Ich fange mal von außen an: Dieses Buch schaut den Leser an! Unter dem Schutzumschlag der Büchergildeausgabe finden Sie einen geprägten Leineneinband, in den stilisierte Augen eingelassen sind. Total toll! – Und sehr passend, denn der Einband steht stellvertretend für die Protagonistin.


Als ich die erste Beschreibung dieses Buches las, stand dort, dass hier eine moldawische Pippi Langstrumpf erzählt. Einer der schlechtesten Vergleiche, die ich je gelesen habe! Denn Pippi Langstrumpf ist der Inbegriff eines freien Kindes, Cristina (die Erzählerin in „Der erste Horizont meines Lebens“) ist dagegen weder frei noch Kind.

Sie ist zwar erst 12 Jahre alt, aber sie ist verantwortlich dafür, dass das Haus in Ordnung ist, die Brüder nicht nur etwas zu essen haben, sondern auch getröstet werden, wenn sie traurig sind. Sie muss also die Rolle einer Erwachsenen übernehmen, mit allen Verpflichtungen und Unfreiheiten, die damit einher gehen. Und mit einer gewissen Verachtung für Kinder, die eben nur das sein dürfen.
 


Cristina ist Prototyp für viele reale Kinder, deren Eltern das Land verlassen, um in Westeuropa oder Russland Geld zu verdienen – ohne die Kinder. Und sie erzählt mit starker Stimme einfach „nur“ von ihrem Alltag.

Dabei vermischen sich die Sichtweisen der zwangsweise Erwachsenen und dem Kind, das eigentlich erzählt. Und das ist manchmal lustig, manchmal traurig und immer eine spannende Erzählung!


Liliana Corobca / Der erste Horizont meines Lebens

aus dem Rumänischen von Ernest Wichner

Büchergilde Gutenberg

(Zsolnay Verlag, Euro 18,90)

15.95 €