Buchtipps

Antoine Leiris Meinen Hass bekommt ihr nicht

Empfohlen von Jennifer Lorz

LOGO

„Heiße Tränen stehen ihm in den Augen. Ich breche zusammen, ich erkläre ihm, so gut es mir möglich ist, dass seine Mama nicht wiederkommen kann, dass sie einen schweren Unfall hatte, dass es nicht seine Schuld ist, dass sie viel lieber bei ihm wäre, dass sie es aber nicht mehr kann.“


Ein Vater muss seinem Sohn erklären, warum seine Mama nicht mehr zurück kommt. Weil Terroristen einen Konzertsaal stürmten und die Leben von unzähligen Menschen auslöschten. Menschen, die an diesem Abend Freude am Leben hatten und die Gesellschaft anderer Mitmenschen bei Musik genießen wollten, mussten sterben, weil eine Gruppe von Selbstmordattentätern dies entschied. An diesem Abend begann die Anschlagsserie in Frankreich.

Und für Antoine Leiris begann damit ein anderes Leben. Gerade hat er seinen Sohn zu Bett gebracht, da bringt ihn eine SMS eines Freundes dazu, den Fernseher anzuschalten. Dort sieht er die Bilder der Panik und den Schriftzug: „Attentat im Bataclan“. Noch am selben Abend muss er begreifen, dass er nun mit seinem siebzehn Monate alten Sohn Melvil alleine ist, weil ihm der wichtigste Mensch entrissen wurde.

In seiner Erzählung schildert Antoine, wie er seinen Alltag mit seinem Sohn meistert, und eben auch, wie er versucht seinem Sohn zu erklären, dass seine Mama nicht mehr zu ihm zurück kommt.

Der Titel „Meinen Hass bekommt ihr nicht“ entstammt dem Facebook-Eintrag von Antoine Leiris, in dem er sich bewusst an die Terroristen wendet und ihnen verwehrt, was sie mit den Anschlägen bewirken wollten: Hass.
Der Kummer zerfrisst ihn zwar, aber den Hass will er nicht in sein Leben lassen und schon gar nicht in das Leben seines Sohnes. Gerade Melvil soll nicht mit Hass aufwachsen, sondern glücklich und in Freiheit.

Insgesamt ist es eine ziemlich traurige Erzählung, von einem bestürzenden Ereignis, das uns genauso im Gedächtnis bleiben wird wie der 11. September. Und uns auch genauso berührt, vielleicht sogar noch etwas stärker, denn es passierte praktisch vor unserer Haustür. Der Terror hat uns auch in Europa gefunden und lässt uns seitdem nicht mehr los. Doch darüber möchte Leiris gar nicht berichten. Ihm geht es darum zu schildern, wie er mit seinem Verlust umgeht und wie man trotz allem irgendwie weiter leben muss.

Beim Lesen empfiehlt es sich, auch ein Taschentuch bereit zu legen. Besonders an der Stelle, an der der kleine Melvil begreift, dass etwas schlimmes passiert ist. Diese Szene hat mich sehr zu Tränen gerührt. Die beiden kommen einem als Leser sehr nahe, man fühlt mit ihnen und geht mit ihnen zusammen durch Höhen und Tiefen.

Antoine Leiris / Meinen Hass bekommt ihr nicht

aus dem Franz. von Doris Heinemann
Büchergilde Gutenberg
(Originalverlag: Blanvalet, ebenfalls Euro 12,00)

12.00 €