Buchtipps

Carolin Emcke Gegen den Hass

Empfohlen von Lisa Stöhr

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Ein großer Essay der Friedenspreisträgerin 2016!

 
 
Ich bin in der Büchergilde Buchhandlung verantwortlich für unsere „Social Media“-Auftritte (also Twitter und Facebook). In dieser Kapazität „folge“ ich schon eine ganze Weile den Tweets von Carolin Emcke, einer sehr differenzierten Journalistin und würdigen Friedenspreisträgerin 2016.

In diesem Jahr erschien ihr Essay „Gegen den Hass“, der nicht nur überaus aktuell ist, sondern auch gut zusammen mit ihrer großartigen Rede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels gelesen werden kann.

Emcke analysiert eine gesellschaftliche Verschiebung, eine stärkere, bis hin zu einer gewalttätigen Abgrenzung, gegenüber einem realen oder vielleicht doch nur konstruiertem „Anderen“. Dabei versucht sie die gesellschaftlichen und emotionalen Grundlagen des Hasses gegenüber einem Kollektiv zu identifizieren und (wie der Titel schon sagt, ist sie parteiisch gegen den Hass) Argumente und Lösungswege aufzuzeigen.


In kurzen Kapiteln beschäftigt sie sich mit unterschiedlichen Spielarten des Hasses und unterschiedlichen Ideologien, die als Rechtfertigung für Hass dienen. So behandelt sie selbstverständlich die Neue Rechte, wie auch Islamisten, institutionellen Rassismus und die alltägliche Ausgrenzung von Transpersonen. Dadurch zeigt sie auch, wie häufig westliche Gesellschaften noch von dem selbst gesetzten Ideal der Menschenrechte und (bei uns) des Grundgesetzes entfernt sind.

Genau dadurch kehrt sie, berechtigterweise, die öffentliche Diskussion um: Nicht diejenigen müssen sich rechtfertigen, die eine Umsetzung unseres Grundgesetzes/der Menschenrechte fordern, sondern diejenigen, die die bereits gemachten Schritte dorthin wieder rückgängig machen wollen!


Zuletzt noch ein wichtiger Punkt, den auch Emcke wiederholt anspricht: Hass und Gewalt machen sprachlos, uns alle. Aber wir als Gesellschaft dürfen ihn nicht schweigend ertragen, sonst wächst und gedeiht er. Und dabei dürfen nicht nur Angehörige einer diskriminierten Gruppe für ihre Rechte einstehen, auch, da man sie schnell denunzieren kann (humorlose Emanze, wütender Schwarzer etc. pp.). Darüber hinaus ist die Diskriminierung Einzelner (aus welchem Grund auch immer) stets eine Bedrohung für uns alle, die wir von einer offenen, pluralistischen Gesellschaft profitieren. Und da Lebensentwürfe und Vorstellungen vom Glück so vielfältig sind wie Menschen, gilt das nicht für uns alle?!
 

Carolin Emcke / Gegen den Hass

S.Fischer Verlag

20.00 €