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Bita Schafi-Neya Mögen deine Augen leuchten. Meine Reise durch den Iran

Empfohlen von Oliver Fründt

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Nachts ist es leise in Teheran. Aber tagsüber ist es laut, stickig und hektisch in dieser 15-Millionen-Stadt.

In „Mögen deine Augen leuchten“ berichtet die deutsch-iranische Autorin Bita Schafi-Neya von ihren Reisen in und durch das Land ihres Vaters. Und es gelingt ihr mit ihrer leichten, sehr angenehmen, teils persönlichen und immer sympathischen Erzählweise, einen auf ein Land voller Faszination und Widersprüche neugierig zu machen!

Das Bild von Iran ist stark geprägt von der Berichterstattung in den Medien, die einen nicht gerade vertrauensvoll stimmt. Aber natürlich gibt es außer den offiziellen unangenehmen Dingen auch einen ganz normalen Alltag für die Menschen. Und der ist ganz anders, als man vermuten würde.

Die Menschen sind herzlich und gastfreundlich, so beschreibt Bita Schafi-Neya es eindringlich und liebenswert. Sie haben mit vielen Problemen zu tun, aber sie nehmen sich auch mehr Freiheiten heraus, als man vermuten würde.
So gibt es viele strenge Regeln, die jedoch stillschweigend unterlaufen werden. Es ist ziemlich spannend, was sie in dieser Hinsicht über das Leben der Frauen im Iran erzählt. Es wirft das gängige Bild einigermaßen um, bzw. stellt es vom Kopf auf die Füsse. Oder umgekehrt.


Besonders gut ist dabei gelungen, wie die Autorin ihre Schilderungen vom Alltag und von ihren Reisen in und durch das Land mit Kapiteln zu den historischen und politischen Gegebenheiten im 20. Jahrhundert durchsetzt.
Daß der lange schwelende Konflikt Irans mit den USA natürlich ein wirtschaftlicher war, der sich um das Ölgeschäft drehte, hatte man zwar geahnt. Daß das Problem aber ursprünglich von Großbritannien ausging, war mir nicht bekannt. Ebenso wenig wie viele weitere Details der iranischen Geschichte, in die sich die CIA teilweise stärker eingemischt hat, als man für angemessen halten kann. Das erklärt vieles.


„Mögen deine Augen leuchten“ ist ein wunderschön geschriebenes, tolles Buch über ein wunderschönes, tolles und aufregendes Land, das von uns im Westen vielfach falsch verstanden wird – weil man so vieles darüber nicht weiß.


Übrigens: „Mögen deine Augen leuchten“ sagt man, wenn jemand einen schönen und lieben Besuch erwartet. Das ist doch ein hübscher Wunsch!
Und – ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – wenn man sich auf ein Buch einläßt und es zu lesen beginnt, ist das auch meistens wie ein Besuch: ein Buch kommt zu einem, man verbringt eine Zeit zusammen, die einen erfreut und bereichert; dann ist es ausgelesen und, auch wenn man es danach ins Regal stellt, verläßt es einen wieder. „Möge ihr Platz nicht leer sein“, sagt man, wenn Gäste wieder abreisen und man deswegen traurig ist.

Mögen Ihre Augen leuchten, wenn Sie dieses schöne Buch von Bita Schafi-Neya über Iran lesen!


(März 2016)

Bita Schafi-Neya / Mögen deine Augen leuchten. Meine Reise durch den Iran

Braumüller Verlag

21.90 €