Buchtipps

Monique Schwitter Eins im Andern

Empfohlen von Oliver Fründt

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"Die Liebe sucht man sich nicht aus, mein Herz."

Für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert, und wirklich gut!

Eines Abends „googelt“ sie ihren ersten Freund und erfährt so nach Jahren, daß der längst tot ist. Dieser Petrus hat sich eines Wintertages bei Schneefall fallen lassen, wie er es schon während ihrer Beziehung angekündigt hatte.
Sie schreibt über ihn und wie das damals so war. Seine Fluchten und Ausflüchte, und wie, erstaunlicherweise, sie ihn verlassen hat und nicht umgekehrt. Womit sie eher gerechnet hatte.

Und wie etwas mit Petrus‘ Bruder anfing. Wie sie Jakob an der Theaterakademie kennen lernte, wie sie zusammen arbeiteten. Wie Johannes sich vor ihr auszog, weil er sie nackt sehen wollte. Wie Thomas sie nach einer Lesung anbaggert. Wie sie mit ihrem homosexuellen Freund Nathanel für ein Paar gehalten wird. Und sechs weitere Männer.

Zwölf also, an die Apostel angelehnt, und zusammengehalten durch die aktuelle Situation der Erzählerin mit ihrer Familie, ihrem Schreiben und der Hündin. Und die paar Lebensweisheiten ihrer Großmutter, an die sie sich liebevoll erinnert.

Das ist ein Konzept, und es geht auf. Weil Monique Schwitter eine großartige Leichtigkeit gelingt, die zugleich genau ist und – poetisch würde ich es nicht nennen, aber irgendwie doch.
Sie zeichnet einen guten Blick auf das, was war und in einem nachhallt: „Eins im Andern“ ist damit ein richtig tolles Buch!
Ich kann es Ihnen von Herzen empfehlen, und wenn es mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet würde, wäre das sehr in Ordnung.

(Wir wollen uns nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen, aber als ich das Buch vor einigen Tagen aus einigen Metern Entfernung sah, war das ein starker Effekt, wie hell das Herz dieser Schmerzensmadonna auf dem Cover leuchtete. Das nur am Rande.)

September 2015

Monique Schwitter / Eins im Andern

Literaturverlag Droschl

19.00 €