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Jonathan Evison Umweg nach Hause

Empfohlen von Lisa Schwachoffer

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„Manchmal muss man geben, wenn es überhaupt keinen Sinn ergibt. Manchmal muss man geben, bis es wehtut.“

Benjamin ist 40 Jahre alt, hat mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen und gerade den Krankenpfleger-Kurs absolviert, der ihm einen Job beim 19-jährigen Trevor einbringt. Dieser leidet an Muskeldystrophie Duchenne, die ihn immer abhängiger von der Hilfe anderer macht, bis sie ihn letztendlich umbringen wird. So ist er nun fürs Erste auf Ben angewiesen, während seine Mutter Elsa wieder arbeiten geht.

Beide verbringen Wochen miteinander, in denen sie pre-pubertäre Witze machen, Mädchen in der Mall hinterher schauen und spaßeshalber Reisesendungen verfolgen, in denen die skurrilsten Orte Amerikas besucht werden, um sie auf einer Karte festzuhalten, falls das ungleiche Paar jemals das traute Heim verlassen sollte. In dieser Zeit bekommt Trev Besuch von seinem lange verschwundenen Vater Bob, der nie eine Beziehung zu seinem Sohn aufbauen wollte, jetzt aber seine Aufmerksamkeit sucht. Ben wird Zuhause von seiner Frau – später von einem hartnäckigen Kurier - verfolgt, die bloß die Scheidungspapiere unterschrieben haben möchte, wovor er allerdings die ganze Zeit über flieht. Durch Zufall erfährt Trevors Vater von der unrealistischen Reiseidee und möchte sie für seinen Sohn machen.

Erstaunlicherweise motiviert gerade dies den behinderten Jungen, sich selbst auch auf den Weg zu begeben. Ben und Trev schaffen es, Elsa zu überzeugen und machen sich auf, um Bob zu finden. Auf der Fahrt treffen sie auf weitere eigensinnige Personen. Die junge Ausreißerin Dot, die wieder nach Hause möchte. Und das Pärchen Peaches und Elton. Sie: eine schwangere, stets gut gelaunte Frau. Er: eher das Gegenteil. Merkwürdige Vorkommnisse und andersartige Abenteuer sind vorprogrammiert.

Evison schafft mit seinem Schreibstil das Fundament für eine zeitweise komödienhafte Tragödie, die dem Leser von guten Lachern bis zu feuchten Augen alles liefert. Insbesondere der Protagonist Ben Benjamin, der vom Schicksal gebeutelt, konstant mit Reue und tiefer Trauer zu kämpfen hat, ringt beim Lesen, so trocken wie sein Humor nun mal ist, immer wieder ein Schmunzeln ab. Die kurzen Kapitel und die Erzählstimme aus der ersten Person geben der ganzen Story einen angenehmen zügigen Fluss, der vor allem zum späteren Roadtrip passt, während die Charaktere dem ganzen den nötigen Inhalt geben, um die Fahrt gut unterhalten zu werden.

Ein Buch über eine Reise mit verrückten Menschen, tragischen Geschichten, witzigen Ideen und mit jeder Menge Herz.

Die Dreharbeiten für die Verfilmung sind bereits abgeschlossen und wir können das Endprodukt voraussichtlich 2016 in den deutschen Kinos sehen!

Jonathan Evison / Umweg nach Hause

Kiepenheuer & Witsch Verlag

19.99 €