Buchtipps

Shari Shattuck Tage wie Salz und Zucker

Empfohlen von Lisa Schwachoffer

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„Da draußen sind so viele Menschen, die leiden und keine Kraft haben, irgendwem irgendwas zu geben, aber immerhin sprechen sie darüber. Manchmal hilft es, zu wissen, dass man nicht die Einzige ist, die leidet.“


Was passiert, wenn sich eine blinde Frau im Bus neben eine unsichtbare Frau setzt? Na? Ich geb Ihnen die Lösung: Sie werden beste Freundinnen.

Bis zu diesem schicksalhaften Tag hat Ellen es immer geschafft für andere Menschen unsichtbar zu sein. Nicht wortwörtlich. Aufgrund einer Verletzung aus ihrer Kindheit und ihrem großen Körpervolumen, fühlt sie sich so unwohl in ihrer Haut, dass sie eine ausgeprägte Sozialphobie entwickelt hat, wodurch sie sich angewöhnte auf eine Art zu leben, mit der sie so unauffällig wie möglich unter Menschen bleiben kann.
Bis sie auf Temerity (das englische Wort für Frechheit, Unbesonnenheit und andere passende Subjektive) trifft, die sie trotz Blindheit sofort bemerkt.

Und Ellen wird neugierig auf die junge Dame mit der Sonnenbrille und der leuchtend farbigen Mütze. Sogar so sehr, dass sie zusammen mit ihr aussteigt, um sie weiter zu beobachten. Denn das war bisher immer ihr allerliebstes Hobby. Mit diesem ersten Schritt, der sie aus ihrer Komfortzone bringt, beginnt eine außergewöhnliche Freundschaft.

Zusammen… beziehungsweise Temerity mit Ellen im Schlepptau, weil die immer irgendwie überredet oder geködert werden muss, helfen die beiden anderen Menschen, die nicht ganz in der Lage sind, sich selbst zu helfen.
Das schaffen sie entweder mit tatkräftigen Aktionen oder einem einfachen Gespräch unter sechs Augen, von denen immer mindestens ein Paar blind und ein anderes Paar unsichtbar ist. Dabei übernimmt Temerity die Vermittlerrolle, während Ellen die Beobachtungen macht.

In dieser Zeit lernen die zwei unterschiedlichen Frauen einander immer besser kennen und sehen (oder eben nicht), dass jeder Mensch auf seine Art leidet. Wie man damit umgeht, um stark daraus hervor zu gehen, muss wiederum nur Ellen lernen. Temerity, ihr Bruder Justice und irgendwie auch all die Menschen, denen sie begegnen, helfen ihr dabei.

Shari Shattucks „Tage wie Salz und Zucker“ wird von wunderschönen Charakteren getragen, ohne die die Welt wirklich schlechter dran wäre. Sowohl die starken als auch verletzlichen Züge geben ihnen die nötige Überzeugungskraft, um den Leser für sich zu gewinnen. Die herzhaften und vor allem originellen Dialoge tragen fabelhaft dazu bei.
Daher kann ich jedem, der eine leichte Lektüre für zwischendurch sucht, dieses Buch ohne schlechtes Gewissen ans Herz legen!

Shari Shattuck / Tage wie Salz und Zucker

rororo / Rowohlt Taschenbuch Verlag

9.99 €