Buchtipps

Gail Jones Ein Samstag in Sydney

Empfohlen von Oliver Fründt

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Vier Menschen verbringen einen Tag in Sydney. Jeder auf seine Weise, von morgens bis abends. Und am Ende wird ein Kind gesucht…

Catherine, ursprünglich aus Irland, denkt dabei an ihren Freund in Paris und trauert um ihren Bruder. Die Straßenhändlerin Pei Xing besucht, überraschend genug, ihre ehemalige Lageraufseherin. Ellie und James, die als Vierzehnjährige ihre erste große und erotische Liebe miteinander erlebt haben, werden sich heute – nach Jahren zum ersten Mal – wiedersehen.

Im Grunde verbindet sie alle nichts oder wenig, außer zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein. Und daß sie die unterschiedliche Last ihrer Leben zu tragen haben. – Was erwartet diese vier Menschen an diesem Tag unter dem Anblick dieser merkwürdigen Architektur der Oper zu Sydney?

Gail Jones hat einen großartig komponierten Roman über das zufällige Zusammen- oder auch nicht Zusammentreffen von Menschen in einer Stadt geschrieben.

Neulich habe ich eine Selbstbeschreibung einer Autorin gefunden, die darüber staunt und schreibt, „dass so viele Menschen gleichzeitig auf der Welt leben, von denen jeder in jeder Sekunde etwas Bestimmtes erreichen will“ und „dass das nicht ins Chaos führt, sondern in eine unfassbar große Ordnung mündet“ (Rike Wolff,
Reisebuchautorin).

Das ist ja auch immer wieder erstaunlich, und es trifft ganz gut, worum es in „Ein Samstag in Sydney“ geht. Und das müßte, denke ich, nicht zwingend downunder stattfinden: solche Samstage wird es überall geben.

Nur so eine Sprache in solch poetischer Präzision wie die von Gail Jones ist mir bisher noch nie untergekommen! Die Übersetzung von Conny Lösch scheint mir erstklassig zu sein.

Ganz große Empfehlung also, und da die Autorin in Deutschland leider nahezu unbekannt ist, glatt ein Geheimtipp!

(Februar 2015)

Gail Jones / Ein Samstag in Sydney

Edition Nautilus

24.00 €