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Vanessa F. Fogel Hertzmann's Coffee

Empfohlen von Oliver Fründt

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Stark wie ein guter Kaffee:

In „Hertzmann‘s Coffee“ von Vanessa F. Fogel kommen mit Dora und Yankel Hertzmann das vielleicht schönste Liebespaar vor, das mir in der Literatur je begegnet ist!

Sie sind so liebevoll und einverständig miteinander, ganz auf einer Linie, verstehen sich wortlos, nicht ohne eine Menge unterschwelligen Humors, was nicht unbedingt gleich Ironie sein muß. Es ist einfach schön zu lesen, wie diese beiden alten Leutchen miteinander und mit den Problemen des Lebens umgehen.

Sie haben nach dem Krieg eine Kaffeefirma gegründet. / Das hat mich manchmal an Wackers Kaffee denken lassen, auch wenn die Dinge hier anders gelagert sind.
Kaffee ist ja doch etwas, wonach sich viele Menschen verzweifelt sehnen, wenn es ihn nicht gibt. So wurde aus dem Schwarzmarkt-Geschäft ein Imperium.
Und dafür hat der alte Herr Hertzmann nun eine Nachfolgeregelung getroffen, über die seine Kinder in erbitterten Streit ausbrechen. Wie das so ist.

Über eines waren Yankele und Dorale sich immer einig: ihren Kindern wollten sie nie erzählen, was sie im Krieg und in der Nachkriegszeit erlebt und erlitten haben. Aber Hertzmann muß seine Erinnerungen loswerden, und so erzählt er es einer Videokamera, und ein freundlicher Mensch stellt seine Aufzeichnungen ins Internet.
Bei seinen Erinnerungen geht es vor allem um den Verlust seiner kleinen Schwester: sie wurde von Menschen gerettet, indem sie eine neue Familie und einen neuen Namen bekam.
Als Hertzmann sie ausfindig macht, kann sie sich nicht an ihn erinnern. Oder will es nicht. Und nun liegt sie im Sterben, kann aber noch nicht loslassen, weil etwas ungelöst ist…

Diese Geschichte wird aus drei Perspektiven geschildert: Hertzmanns, die seines Neffen, und die eines Enkels. Das ist sehr gut verknüpft, man merkt es aber, wie bei einem Puzzle, erst im Laufe der Lektüre.

„Hertzmanns Coffee“ ist ein Roman, der glücklich macht. Weil er von so überaus sympathischen Menschen erzählt, die ihr Leben mit einer guten Haltung leben.
Weil er viele schöne und schlaue Sätze enthält, die man sich herausschreiben kann.
Ja, und weil dieses liebevolle alte Ehepaar einem nicht nur ans Herz wächst, sondern auch ein Vorbild für eine glückliche Partnerschaft sein kann.

Mein Lieblingssatz aus „Hertzmanns Coffee“ ist dieser:
„Immer habe ich erstens auf mein Bauchgefühl und zweitens auf Dora gehört. Oft riet mir mein Bauchgefühl einfach nur, auf sie zu hören.“ (S. 163)
– Bin ich froh, daß ich den jetzt doch noch wiedergefunden habe! Mein Leseexemplar ist voller Anstreichungen und Eselsohren, mit denen ich die Anstreichungen markiert habe. Nur bei diesem Satz habe ich das Eselsohr vergessen. Manchmal bleibt der schönste Kern eben lieber verborgen…

Vanessa F. Fogel wurde übrigens in Frankfurt geboren, schreibt auf Englisch, hat aber mit ihrer Übersetzerin Eva Bonné eng zusammen gearbeitet.
Im Verlag weissbooks.w, Frankfurt, ist „Hertzmann‘s Coffee“ wie auch schon ihr erster Roman „Sag es mir“ zuerst erschienen.

(Oliver Fründt, August 2014)

Vanessa F. Fogel / Hertzmann's Coffee

Vanessa F. Fogel: Hertzmann‘s Coffee
weissbooks,

22.90 €