Buchtipps

Nina Maria Marewski Die Moldau im Schrank

Empfohlen von Oliver Fründt

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Dieser großartig spannende Roman ist mehrere Bücher in einem: ein packender Krimi, eine Liebesgeschichte, eine Fantasy-Story, ein Frankfurt-Roman, meinetwegen auch ein „metaphysischer Thriller“, wie der Verlag das nennt, und auf jeden Fall eine wundervolle Was-wäre-wenn-Geschichte!

Helena Murnau, glücklich mit ihrer Familie, entdeckt zufällig, daß sie an einer bestimmten Säule in der B-Ebene der Hauptwache in eine Parallelwelt, ein zweites Frankfurt wechseln kann.
Dort entdeckt sie ihr zweites Ich, eine Helena, in deren Leben sich manche Dinge anders entschieden haben, so daß sie die Möglichkeiten ergreifen konnte, die der ersten Helena verschlossen blieben.
Sie ist hier Künstlerin mit ersten Erfolgen – und eine Liebesgeschichte mit einem unendlich faszinierenden Mann bahnt sich an.
Die erste Helena sieht allerdings, daß ihr Parallel-Ich dabei in größte Lebensgefahr gerät… Sie beschließt zu handeln.

Natürlich ist das alles eine konstruierte Geschichte, aber so kunstvoll und souverän komponiert, daß man ihr mit großer Spannung folgt, sobald man sich – und das geschieht nach wenigen Seiten – darauf einläßt.
Marewski läßt dabei keinerlei Verwirrung aufkommen: zum einen erzählt sie die Geschichten der beiden Helenas ganz hervorragend. Zum anderen wählt sie geschickt verschiedene, deutlich unterscheidbare Erzählperspektiven, so daß man beim Lesen jederzeit weiß, in welcher Ebene der Faden gerade weitergesponnen wird.
Und natürlich macht es einfach mal wieder Spaß, sich am Ort des Geschehens, und damit gleichsam in dem Roman auszukennen.
An Cafès etwa werden das Karin, das Laumers und das Wackers erwähnt (und mein Tabakladen gleich daneben!).
Petra Roth ist in einer Parallelwelt eine lebenskluge Puffmutter (hahaha!) und echte Helferin.
Die Textorstraße, der Merianplatz, die Leipziger Straße, der Zoo und, und, und… Das ist irgendwie nett!
Zwei Fehler, oder besser: Unstimmigkeiten habe ich dabei entdeckt: es ist irgendwie Quatsch, die U4 ab Merianplatz zu nehmen, wenn man in der Wiesenstraße, also nahe Bornheim Mitte wohnt.
Und im Frankfurter Zoo gibt es keine Eisbären. Aber geschenkt! Vielleicht gab es ja früher welche?

(Die Autorin hat mir inzwischen geschrieben, daß ihre Helen im Baumweg wohnen sollte und sie den leider mit der Wiesenstraße verwechselt hat. Okay, kann passieren. Dann steigt man natürlich am Merianplatz in die U-Bahn.
Und früher gab es tatsächlich Eisbären im Zoo, hat sie erzählt. Irgendwie sah das Bärengehege auch so aus. Zur Zeit wird es übrigens groß umgebaut. Aber das nur nebenbei.)

Nina Maria Marewski wurde 1966 in Frankfurt geboren, bekam mit 16 ein Kind und jobbte sich über die Runden, bevor sie lange in einer Unternehmensberatung arbeitete. Heute lebt sie in der Nähe von Zürich.
„Die Moldau im Schrank“ ist ihr erster Roman, und der ist richtig gut geworden. Hut ab vor diesem Debüt!

Der Bilgerverlag zeichnet sich sowieso durch großartige Bücher aus, die hervorragend gestaltet sind und ungewöhnlich gut in der Hand liegen.
Hier finde ich das Titelbild mal nicht so ansprechend. Aber bitte, bitte, bitte lassen Sie sich davon nicht abschrecken! Sie würden einen tollen Roman verpassen.
Und wenn Sie jemanden kennen, der die Krimis von Jan Seghers liebt – er oder sie wird auch „Die Moldau im Schrank“ mögen!

Nina Maria Marewski: Die Moldau im Schrank
bilgerverlag, Euro 26,00

Also wirklich ein Traum von einem Schmöker! Falls Sie Ferien machen, ist das eine super Lektüre. Und wenn nicht, dann auch!

Nina Maria Marewski / Die Moldau im Schrank

bilgerverlag

26.00 €