Buchtipps

Kent Haruf Unsere Seelen bei Nacht

Empfohlen von Oliver Fründt

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Ich weiß, dass Louis immer noch zu dir kommt, sagte Ruth. Ich sehe ihn morgens, wenn er nach Hause geht.
Wir haben beschlossen, dass es okay ist, selbst wenn Jamie da ist. (…) Wir machen nichts (…) Auch vorher nicht.
Dann wird es aber allmählich Zeit. Du willst doch nicht erst so alt werden wie ich.

Louis, Rentner anfang siebzig, bekommt ein Angebot, das er ablehnen könnte, nach kurzem Nachdenken aber annimmt. Unmoralisch ist es auch nicht:
Seine Nachbarin Addie, ebenfalls Witwe in seinem Alter, schlägt ihm vor, ab und an bei ihm zu übernachten. Es geht nicht um Sex, sondern darum, nicht alleine zu sein.

Also geht er zu ihr, sie liegen in ihrem Bett nebeneinander und reden, bis sie einschlafen. Über ihr Leben und das, was sie bewegt. Addies Enkel Jamie zum Beispiel. Dem geht es nicht so gut, seit seine Eltern geschieden sind. Vielleicht würde ein Hund ihm helfen?

So könnte alles prima sein in Holt, einer Kleinstadt in Colorado – dem Hessen der USA (doch, doch, ungefähr so, klar!). Wären da nicht das Gerede, die übliche Missgunst, vielleicht auch der Neid…
Und Addies Sohn, der für ihr Arrangement so überhaupt kein Verständnis aufbringt, als er davon erfährt. Da ist daraus aber auch schon ein wenig mehr geworden, und Addie und Louis können gut dazu stehen.


Kent Haruf hat mit „Unsere Seelen bei Nacht“ einen wunderschönen Roman über eine stille Liebe im Alter geschrieben. Die Sprache fast schlicht, Welt- und Einsichten um so facettenreicher. Und seine beiden Hauptfiguren auf eine ganz einfache Weise unvergesslich sympathisch!

Kent Haruf / Unsere Seelen bei Nacht

aus dem Amerikanischen von pociao (= Sylvia de Hollanda)
Diogenes Verlag

20.00 €