Buchtipps

Viktor Martinowitsch Mova

Empfohlen von Lisa Stöhr

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Bücher sind Drogen, klar, lesen ist gefährlich! Und dieses Buch ist ein berauschender Roman:

China und Russland haben sich zu einem Staat zusammengetan (zu dem auch Weißrussland gehört) und eine riesige Mauer zur Europäischen Union gebaut. Denn der übermächtige Superstaat muss sich und seine Bevölkerung vor dieser „Multikulti“-Union schützen. Nützliche Aspekte dürfen dann aber doch rein, wie die Religion, bei der man sich über Luxusartikel das Seelenheil erkaufen kann.
 
Keinesfalls aber darf die Droge „Mova“ rein! Dabei handelt es sich um Briefchen, auf denen kurze Texte geschrieben stehen. Es geht auch die Legende, dass es einmal ganze Bücher gab, die Halluzinationen und Glücksgefühle auslösen, wenn man sie liest. In Minsk erzählen ein kleiner Dealer/Schmuggler und ein Junkie abwechselnd von ihren Erfahrungen mit der Droge "Mova" und den Verstrickungen, die sich aus dem Kontakt mit ihr ergeben.

Dabei sind ihre Sichtweisen sehr verkürzt, sie erzählen eben wie Menschen erzählen, die nur ein begrenztes Wissen haben – teilweise, weil sie es einfach nicht gelernt haben (auch wenn sich der Junkie noch so viel auf seine akademische Bildung einbildet), teilweise, weil ihnen Informationen absichtlich vom alles kontrollierenden Staat vorenthalten werden. Diese Lücken und Ungenauigkeiten füllen sich dann durch das Wissen des Lesers oder dämmern mit der Zeit.

Diese sich langsam aufbauenden Verbindungen, aber auch Martinowitschs genial aufgebauter Spannungsbogen, machen „Mova“ sehr gut lesbar, sorgen aber auch dafür, dass man nachts um Drei schon mal nur noch dieses eine Kapitel zu Ende lesen muss.
 
Und wie es sich für eine wirklich gute Utopie/Dystopie gehört, entwirft Martinowitsch eine Welt, die irre und verquer ist, aber der unseren (mit allen politischen Bewegungen) besorgniserregend ähnelt.
 
Am Ende des Buches steht noch ein sehr interessantes Nachwort des Übersetzers, durch das die Einordnung des Buches in die politische Situation Weißrusslands für mitteleuropäische Leser besser möglich wird. Das sollten Sie aber wirklich erst am Ende lesen, denn sonst berauben Sie sich der Freude, die eigentlichen Zusammenhänge nach und nach zu entdecken.
 

Viktor Martinowitsch / Mova

aus dem Belarussischen von Thomas Weiler
Verlag Voland & Quist

25.00 €