Buchtipps

NoViolet Bulawayo Wir brauchen neue Namen

Empfohlen von Oliver Fründt

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„Wir brauchen wir neue Namen, damit wir es richtig machen.“ So heißt es an einer sehr bedrückenden Stelle in diesem tollen Buch.

Darling ist eine echte Type, und sie und ihre Freunde sind ein gutes Team. Der Hunger treibt sie in die reicheren Viertel, um dort Guaven zu klauen – auch wenn deren reichlicher Verzehr keine guten Auswirkungen auf die Verdauung hat. Aber sie halten zusammen, so gut es eben geht und in jeder, Verzeihung!, Scheißsituation.

In diesem „kaka“ Land, wie sie es immer nennen, geht das nicht anders. Und auch wenn Darling weiß, daß sie nicht für immer in Simbabwe bleiben muß, neiden ihre Freunde ihr das nicht. Sie hat eine Tante in Amerika, und zu der wird sie irgendwann gehen.

Dort hat sie es besser – und Heimweh. Sie hat genug zu essen. „Aber manchmal macht mich das Essen nicht satt (…) als hätte ich Hunger nach meinem Land, und den kann ich nicht stillen“, sagt sie dazu.

Wirklich ankommen kann sie in Amerika auch nicht. Dort gibt es andere Probleme. Arbeit, eine andere Art von Armut als zu Hause, aber auch die Erwartungen der Familie und Freunde in Afrika über das wunderbare Land der grenzenlosen Möglichkeiten, die so grenzenlos natürlich nicht sind.


Darling ist eine wunderbare und sehr sympathische Ich-Erzählerin, die von ihrer Welt und ihrem Weg berichtet. Sei es in Simbabwe, sei es in den USA. Vor allem ist sie eine großartige Beobachterin ihrer Umgebung, der Menschen, der Gefühle, die eine Rolle spielen.

Am besten gefällt mir ihr Sinn für die Sprache und das Sprechen. Wenn sie etwa meint, jemand spreche so „sanft, als wenn seine Worte aus Federn gemacht“ seien. Oder ein andermal jemand so lacht, als ob er „Donner im Bauch“ hätte.
Und auf ähnliche Weise findet sie Bilder und Beschreibungen nicht nur für alle möglichen Situationen und Begebenheiten. Sondern eben auch für die Sprache selbst. Das ist sehr stark an diesem Roman.


Dies ist natürlich ein „Erwachsenen“-Buch, kann aber auch ab 15 Jahren gelesen werden, denke ich. Ganz unbedingt sogar! Schließlich handelt es von Jugendlichen und deren Sicht auf ihre Welt.

NoViolet Bulawayo / Wir brauchen neue Namen

Aus dem amerikanischen Englisch von Miriam Mandelkow,
Büchergilde, Euro 18,95
(bei Suhrkamp Euro 21,95 oder als Suhrkamp Taschenbuch für Euro 9,99;
die englische Ausgabe kostet Euro 18,50)

18.95 €

NoViolet Bulawayo Wir brauchen neue Namen

Empfohlen von Lisa Stöhr

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Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

das Beste von Allem ist Verstehen. Gerade heute, bei dem was auf unserer Welt gerade so alles geschieht.
Auch deshalb empfehle ich Ihnen dieses Buch

Zuerst zum Titel: Warum neue Namen? Na, ist doch klar: Weil sie nicht mehr passen. Die alten, afrikanischen Namen wollen nicht mehr in die neue Welt USA passen. Aber nicht, weil sie schwer auszusprechen wären (welche englische Zunge hat schon Probleme, „Darling“ zu sagen?). Nein, weil der Mensch nicht mehr derselbe ist.

Bulawayo erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das in einer Blechhüttensiedlung namens „Paradise“ in Simbabwe aufwächst. Meisterhaft trifft sie die Sprache und Weltsicht eines Kindes. Sie erzählt von den Freunden, dem Hunger, den Spielen und der Staatswillkür. Alles irgendwie gleichwertig, nichts davon dramatisch, sondern alles ein Teil der Welt. Der bekannten und schön-schrecklichen Welt in „Paradise“.

Und auch, wenn Darling mit der Tante und all dem Reichtum in den USA angibt… es ist anders, dann wirklich dort zu sein. Um es für sie untypisch pathetisch zu sagen: Sie ist, wie viele andere, entwurzelt. Sie geht zur Schule, sie hat mehr als genug zu essen, sie hat viele Dinge, die sie nicht braucht. Aber sie selbst passt nicht mehr. Nirgendwo.

Verstehen Sie, was ich mit meinem ersten Satz meinte?

Mit nachdenklichen Grüßen,
Ihre Lisa Stöhr

NoViolet Bulawayo / Wir brauchen neue Namen

NoViolet Bulawayo:
Wir brauchen neue Namen
Büchergilde, Euro 18,95
Suhrkamp, Euro 21,95

18.00 €