Buchtipps

Margaret Forster Miranda

Empfohlen von Silke Wrzodek

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Vergriffen, evtl. antiquarisch erhältlich

Margaret Forster schreibt wunderbare Familienromane. In ihrem neuesten Buch „Miranda“ erzählt sie sehr wahrhaftig die Geschichte einer Familie, der das Schlimmste passiert: Bei einem Segelausflug verunglückt die Tochter Miranda tödlich.
Sie waren eine glückliche Familie und nun ist ein Teil herausgebrochen. Jedem fehlt ein Stück – den Eltern die Tochter, Tom die Schwester und der neunzehnjährigen Molly die Zwillingsschwester.
Die Familie hält nicht stand, der Vater verhindert ein Zusammenrücken der vier Zurückgebliebenen, indem er sich blindwütig in die Aufklärung des Unfalls stürzt. Er ist unfähig zu akzeptieren, dass der Leichtsinn der segelungeübten Lieblingstochter der Grund sein könnte.
Dabei stößt er allen vor den Kopf. Sein Sohn gibt irgendwann auf und sucht keinen Kontakt mehr zu ihm und Molly reist nach Afrika, um dort zu arbeiten.

M. Forster erzählt die Geschichte aus der Sicht der Mutter. Es liegt nahe, für sie Partei zu ergreifen, da ihr Mann eine gemeinsame Trauer unmöglich macht und die Familie zerrüttet.
Doch auch die Mutter ist nicht souverän, schneidet Wege ab, ist unfair zu den Kindern und kämpft in ihrer Trauer einen harten Kampf zurück zu sich selbst.

In diesem fesselnden Buch versteht es M. Forster, tiefste Emotionen mit großer Sachlichkeit zu beschreiben, ohne dabei distanziert zu sein.

Welchen Weg die Familie geht und ob ein Aufeinanderzugehen möglich ist, wird unglaublich packend erzählt – das Buch ist spannend bis zur letzten Seite!

Margaret Forster / Miranda

Arche

19.90 €

Vergriffen

Margaret Forster Ein Zimmer, sechs Frauen und ein Bild

Empfohlen von Oliver Fründt

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Nur noch als Taschenbuch erhältlich!

Paris, 1907. Die walisische Malerin Gwen John (1876 bis 1939) wartet verzweifelt sehnsüchtig und ratlos auf ihren berühmten Geliebten. In ihrem Zimmer. Und sie malt ein Bild. Das, was sie sieht: ihren Korbstuhl, den Tisch mit Blumen darauf, das Fenster. Das Licht.
Es ist das beste Bild, das sie bislang gemalt hat. Aber unzufrieden ist sie immer noch. Sie muß weitermachen, sich weiterentwickeln, frei werden.
Sie schenkt das Bild einer Freundin, die verliert es, und so tritt das Bild seine Reise an, und hilft.

Immer wieder gelangt es an Frauen, denen es in einem wichtigen Moment „etwas sagt“ (das Unsagbare eigentlich), die es tröstet, denen es Mut macht, und weiterhilft. Auch und gerade, weil es so schlicht ist und weil seine Herkunft und alles unbekannt bleibt, da die Künstlerin es nicht signiert hat.
Immer wieder wird es mal so, mal so interpretiert. Und immer wahrt es sein Geheimnis.

Margaret Forster hat in diesem einen Buch eigentlich sechs Romane geschrieben, in denen je eine Frau ihren Platz in ihrer Welt und ihre Sehnsucht zu verstehen sucht.

„Ein Zimmer, sechs Frauen und ein Bild“ ist ein großartiger Sehnsuchtsroman, ein Freiheitsbuch, und ein Roman über die Wege zu einem Glück, das so unspektakulär ist, daß es wahr sein muß.

Als ungekrönte Königin des Romans erzählt Margaret Forster mit herrlich klarer Sprache und diesem Sinn für pragmatische Erkenntnisse davon, wie alltäglich diese großen Themen daherkommen.

Dieser Sinn für pragmatische Weisheit oder auch weisen Pragmatismus hat mich schon an Forsters tollem Tagebuchroman „Ich warte darauf, daß etwas geschieht“ (Fischer Taschenbuch)begeistert. (Das ist es auch, was wir an den Büchern von Sybille Bedford und dem von Sylvia Bovenschen so mögen.)

Die Malerin Gwendolin Mary John hat es wirklich gegeben. Sie lebte von 1876 bis 1939. Der Geliebte war August Rodin. Und das besagte Bild ist auf dem Schutzumschlag abgebildet. Beim Lesen habe ich es mir immer wieder angesehen.
Ein großartiger toller Roman und ein wunderbares Leseerlebnis!

Margaret Forster / Ein Zimmer, sechs Frauen und ein Bild

Fischer Taschenbuch, Euro 9,95

9.95 €