Buchtipps

P.G. Wodehouse Onkel Dynamit

Empfohlen von Oliver Fründt

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Neulich begann ich das neue Buch eines deutschen Erfolgsautors aus dem „komischen“ Bereich zu lesen, erstens weil es neu ist, zweitens weil ich mich amüsieren wollte, was ja manchmal ein Vergnügen sein kann. Aber ich kam nur bis auf Seite eineinhalb, als mir der Hallo-das-ist-komisch-bitte-lachen-Tonfall so sehr auf die Nerven ging, daß ich das allerwerteste Buch leider in die nächste Ecke werfen mußte.

Halt! So geht man doch mit Bücher nicht um, also wollte ich wohl sagen: ich legte es auf den Haufen in die Ecke mit den anderen… äh… Büchern, die ich nicht so toll fand.
(Um welchen Autor es sich dabei handelte, verrate ich entweder nicht. Oder ein ein andermal. Mal gucken.)

Jedenfalls wollte ich mich immer noch amüsieren, nachdem ich mich schon einmal geärgert hatte. Aber mit wem? Worüber? Warum? Fragen über Fragen fielen mir ein. Aber da entsann ich mich des guten alten P.G. Wodehouse.

Ich hatte ihn neulich in einer Biografie von Agatha Christie erwähnt gefunden. Wußten Sie, daß die zwar eine der erfolgreichsten Autorinnen des zwanzigsten Jahrhunderts war und ihre Bücher Unsummen an Pfund und Dollar einspielten, sie selber aber nie genau wußte, wieviel Geld ihr eigentlich zur Verfügung stand? Tatsächlich lebte sie Zeit ihres Lebens in finanzieller Unsicherheit. Und warum? Wegen der Unergründlichkeiten des englischen und des amerikanischen Steuersystems, demzufolge ihre amerikanischen Honorare zwar nicht ausgezahlt wurden, sie dieselben in England aber versteuern sollte.

Dem englischen Autor P.G. Wodehouse erging es ähnlich und seine Agenten und Verleger strengten einen Prozess um diese Dinge an, der einen, wie sagt man?, Präzedenzfall schaffen sollte, der auch für die Christie relevant war oder gewesen wäre. Oder was weiß ich… Aber das nur am Rande.


Als ich mich neulich unbedingt sofort amüsieren wollte, griff ich jedenfalls zu „Onkel Dynamit“ von P.G. Wodehouse. Und von der ersten Seite an ward meinem Wunsch Erfüllung zuteil!

Wodehouse schreibt Gesellschaftskomödien rund um den englischen Landadel herum, voller Wortwitz, Situationskomik, erstklassig konstruierter Handlungen um irgendeinen Blödsinn, und das macht Spaß von der ersten Seite bis zur letzten.

In „Onkel Dynamit“ geht es um die… mir fehlt das passende Wort… na, nennen wir es eben: Streiche des nicht mehr ganz jungen Lord Ickenham, „der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Licht und Sonne in alle Herzen zu zaubern“. Und dieser Lebensaufgabe kommt er mit aller katastrophischen Vehemenz nach. Das kann nur zu einem guten Ende führen, und das tut es denn auch.

Eine turbulente Komödie im besten, klassischen Sinne um einen „Onkel von erlesenster Schrulligkeit“, der die beste Charakterisierung seiner selbst über seinen Rivalen vom Stapel läßt, indem er sagt: „Nichts verdirbt die Stimmung im trauten Heim nachhaltiger als ein bekloppter Onkel.“ (S. 107)

Eigentlich empfehle ich diesen Titel von P.G. Wodehouse nur stellvertretend für alle anderen Bücher von ihm. Der Autor lebte von 1881 bis 1975 und „hat nicht ein einziges Buch geschrieben, das nicht Vergnügen bereiten würde“, wie die Neue Züricher Zeitung es auszudrücken beliebte.

Jau, da hat sie mal wieder recht! Ich habe noch zwei oder drei andere Bücher von Wodehouse gelesen, den der Schweizer Verlag Edition Epoca vor ein paar Jahren wiederentdeckte und verdienstvoll neu übersetzen ließ. Von diesem Verdienst schnorrt nun der edle Suhrkamp Verlag, indem er uns einige Wodehouse-Romane als preiswerte Taschenbücher zugänglich macht. Wunderbar!

Außer den zwei oder drei anderen Büchern, deren Titel ich leider vergessen habe, fand ich noch die Romane um den Butler Jeeves ganz großartig und bequeme mich nun zu einer letzten Stellungnahme bezüglich des komischen deutschen Erfolgsautors, den ich nicht sehr komisch fand:
der schreibt nämlich comediantisch, P.G. Wodehouse hingegen wahrhaft komödiantisch!

Wodehouse schreibt tatsächlich Sätze, die man genießen und sich auf der Zunge zergehen lassen kann. Sätze, die man zweimal lesen will (obwohl es sich „nur“ um Unterhaltungsliteratur handelt), weil sie so schön sind, so klug und so lecker! In diesen Büchern weht einem der Witz wirklich um die Nase, wenn man sie in eines davon steckt.

Also falls Sie sich unfehlbar amüsieren wollen, tun Sie das! Ein Versuch kann jedenfalls nicht schaden.
Vielen Dank für Ihr Interesse!

Ihr Oliver Fründt

P.G. Wodehouse / Onkel Dynamit

Suhrkamp Taschenbuch

8.90 €