Buchtipps

Harriet Köhler In Spuren

Empfohlen von Oliver Fründt

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Vergriffen, evtl. antiquarisch erhältlich

Eine eigenartige Faszination geht von diesem Roman aus!
Felix verschwindet, Zigaretten holen, wie er seinen Freunden gesagt hat. Klar, der gute alte Witz! Aber Felix kommt wirklich nicht wieder.
Sein bester Freund Jakob sucht nach dem Warum und Wohin seines Verschwindens. Seine Ex-Freundin Manja hilft Jakob zuerst, indem sie ihm seine Wohnung aufschließt und das Passwort in den Computer tippt.
Jakobs Freundin Sarah duldet seine obsessive Suche, wegen der ihre Beziehung immer brüchiger wird.
Sogar Felix selbst bekommt Wind von Jakobs Suche und meldet sich hin und wieder mit rätselhaften Postkarten.
Und Jakob selbst verstrickt sich immer weiter in dieses Labyrinth aus Spuren, Tagebuch-Eintragungen und nicht abgeschickten Briefen, bis er gänzlich die Kontrolle über seine Suche verliert…

Die Geschichte spielt in der jungen aufstrebenden Mittelschicht in Berlin, wobei Berlin genau so gut Frankfurt sein könnte. Alles mehr oder weniger intellektuelle Thirty-Somethings. (Auf deutsch: Dreißig-Irgendwasse. Kicher!)
Felix hat wohl gerade sein Studium beendet und hatte erste Bewerbungen laufen. Vielleicht hat er sich vor lauter Lebensangst vor dem ersten Vorstellungsgespräch aus dem Staub gemacht.
Jakob arbeitet in einer Firma für Computerspiele haarscharf an seinen alten Träumen und Zielen vorbei. So sind sie, diese beiden Typen.

Das Faszinierende an „In Spuren“ sind die Figuren. Die beiden Frauen dabei sicher mehr als die Männer, die sich auf eine merkwürdige Weise als Leichtgewichte entpuppen (wie ich finde).
Felix und Jakob verlieren sich seltsam gesichts- ja fast kopflos, während Manja und Sarah trotz allem, was von ihnen nicht gesagt wird, an Profil und Stärke gewinnen.
Das war vermutlich nicht die Absicht des Autors. Aber ich fand dies, neben der sehr präzisen Sprache, einen der stärksten Aspekte in diesem durch und durch gelungenen Debüt. Sehr gutes Buch!


Hannes Köhler: In Spuren
mairisch verlag, Euro 17,90

Harriet Köhler / In Spuren

mairisch verlag

17.90 €

Vergriffen

Harriet Köhler Und dann diese Stille

Empfohlen von Oliver Fründt

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Nur noch als Taschenbuch erhältlich!

„Und dann diese Stille“ heißt ein wunderbarer zweiter Roman der jungen Autorin Harriet Köhler.


Die Mutter ist über neunzigjährig gestorben. Der Sohn, auch schon in Rente, kümmert sich um seinen Vater. Und der Enkel sucht nach einer Haltung zu dem, was unausweichlich ist.
Wie umgehen mit dem Ende? Und wie mit dem Leben, und mit der Zeit, die noch bleibt?
Drei Männer mit ihren Geschichten, die sie nicht loslassen, mit ihren Familiengeheimnissen und ihren so unterschiedlichen Erfahrungen von Krieg, Wirtschaftswunder und wieder nachlassender Wirtschaftskraft. Zwischen ihnen entsteht eine eigenartige Nähe. Gefühle, die neu für sie sind. Und dabei bleibt doch ein entscheidender Rest unausgesprochen.

„Und dann dieses Stille“ ist ein ruhiges, bei aller Schwere des Themas gelassenes, auch heiteres und ein sehr kluges Buch. Es liest sich hervorragend und ist unbedingt empfehlenswert!

Wenn Sie sich nicht sicher sind, was Sie davon halten sollen, werfen Sie mal einen Blick auf den Klappentext. Der ist ziemlich gut (was man nicht von vielen Klappentexten sagen kann). Und lesen Sie bei uns gerne mal ein Stück in das Buch hinein.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich hinter dieser Autorin vielleicht eine große Schriftstellerin verbirgt. So etwas muß man abwarten.
Jedenfalls finde ich ihr zweites Buch noch entschieden besser, oder besser: reifer als ihr erstes („Ostersonntag“, gibt es als Taschenbuch.)

btb Verkag, Taschenbuch, Euro 9,99

Harriet Köhler / Und dann diese Stille

btb Verlag

9.99 €